Grüns Geständnis (2)

„Bloody Hell“, sagte der Polizist.
„Ja“, sagte Nick Grün.
„Was zur gottverdammten Hölle hat das zu bedeuten?“
„Ich habe keine Ahnung“, gestand Nick. „Mir ist es auch gerade erst aufgefallen.“ Auch das war nicht gelogen. (Für alle Neueinsteiger: Was bisher geschah)
Der Bulle taxierte Nicks Gesichtsausdruck. Traurig, ratlos, offen. Wenigstens hatte er inzwischen eine Jeans an. Auch ein zerknittertes Hemd hatte Grün, seiner Schlamperei sei Dank, neben dem Sofa gefunden. Seine Haare waren, so gut es ging, zu einem Scheitel glattgestrichen. Das war das letzte, für das Nick sich Zeit genommen hatte, bevor der Polizist das Wohnzimmer erreichte. Hätte er lieber mal irgendein Bild auf den Kaminsims gestellt. Dabei hatte er es fast geschafft gehabt.

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Grüns Geständnis

Als der Polizist das Wohnzimmer mit dem großen offenen Kamin erreichte, stieg ihm sofort ein markanter Geruch in die Nase. Ein Aroma, das er selbst nur zu oft genossen hatte, das ihm so vertraut war, wie der Geschmack der ersten milden Seeluft nach einem langen, kalten Winter. Zigarrenrauch. Ein Feuer knisterte im Kamin. Der Schriftsteller stand mit einer qualmenden Zigarre in der einen Hand am Kamin, und zerknüllte mit der anderen Papier, bevor es in die immer größer werdende Flamme warf. Hektisch, konzentriert, als ob es gerade die wichtigste Sache auf der Welt wäre. Was verbrannte der sonderbare Deutsche da? Was wollte er vertuschen?

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Der Krimi-Autor und sein erster Tatort

„Hello Officer, was kann ich für sie tun?“ Der Polizist starrte die nackte, bärtige Erscheinung an, die gerade über die Stufen aus dem See zur Terrasse hinaufgestiegen war. Grüner Schlick rutschte über Grüns Brust, versuchte sich kurz als Feigenblatt, um dann jenes Körperteil noch unpassender, tropfend zu verlassen. Der Polizist erholte sich überraschend schnell von dem Anblick.  „You are Nick Green, the Writer.“ Es klang mehr nach Feststellung als Frage.  „Yes Sir.“ Das Sir war zu dick aufgetragen. Egal, der Tanz hatte begonnen. Jetzt zählte das Spiel.

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Bis auf den Grund

Nichts machte so nüchtern, wie eine Leiche an einem kalten Frühlingsmorgen. Besser als eine Kanne dampfender Espresso. Das stimmte nicht ganz. Obwohl er immer noch bis zur Brust in seinem kalten See stand, dessen Wasser seinen Körper wie tausend kleine Nadeln traktierte, durchfuhr den gescheiterten Romanautor ein noch kälterer Schauer, als er das Geräusch des Wagens bemerkte, der sich langsam die Serpentinen hinaufarbeitete. In einer halben Minute würde der unbekannte Fahrer das alte gusseiserne Tor passieren und den Vorplatz erreichen. Von dort hatte man einen wundervollen Blick auf den See – in diesem Fall: Auch auf eine tote Frau in ihrem Hochzeitskleid und einen bärtigen Mann mit seinem nassen Bademantel und Tränen in den Augen.

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